Kursrallye im Musterdepot
(Erschienen am 06.05.2012)



Trotz Euro-Krise: Der „Welt-Index“ setzt weiter auf eine Erholung an den Aktienbörsen. Ein Wert aus dem Portfolio wurde dennoch verkauft – er hat sein Kursziel bereits übertroffen


  • Neben der Aktie von Rhön Klinikum entwickelten sich auch Leoni, Yum Brands und Pfizer deutlich positiv

Der Euro bleibt für Dr. Markus C. Zschaber der Spielverderber. Allein die Probleme um die Gemeinschaftswährung, deren Zukunft auch an diesem Wochenende mit den entscheidenden Wahlen in Griechenland und Frankreich im Fokus der Märkte steht, sind in den Augen des Vermögensverwalters aus Köln dafür verantwortlich, dass der Optimismus der Börsianer sich noch in Grenzen hält. „Egal wo wir derzeit hinschauen, ob nach Asien, nach Russland, nach Lateinamerika, in die USA oder nach Deutschland: wir erkennen qualitatives Wachstum“, sagt Zschaber, der exklusiv für die „Welt am Sonntag“ den „Welt-Index“ ermittelt. Und der macht moderate Hoffnung: Beide ermittelten Werte stiegen im Vergleich zum Vormonat an. Der „Welt-Index“ betrachtet die 50 wichtigsten Konjunkturdaten, die weltweit von den Statistikämtern und Forschungsinstituten veröffentlicht werden. Auf Basis dieser Informationen werden zwei Trenddaten ermittelt, einerseits der Index der Konjunkturdaten, der ausweist, wie viele der 50 Werte in den vergangenen vier Wochen gestiegen oder gefallen sind. Zum anderen wird der Index der Markterwartungen ausgewertet. Er gibt an, in wie vielen Fällen der jüngste Wert der 50 statistischen Daten höher oder niedriger lag, als von Experten zuvor im Mittel erwartet worden war.

Der Index der Konjunkturdaten stieg im April auf ein Niveau von 63 Prozent – ein höherer Wert als im Vormonat. Der Index der Markterwartungen stieg ebenfalls und liegt nun bei 67 Prozent. „Die Börsianer haben mit der positiven Entwicklung außerhalb der Euro-Peripherie nicht gerechnet“, interpretiert Zschaber. Noch immer aber konzentriere sich ein Großteil der Marktteilnehmer genau darauf. Zu Unrecht, findet der Vermögensverwalter. „Der Kursabschlag, der weltweit an den Märkten eingepreist ist, fällt eindeutig zu hoch aus.“ Das strukturelle und konjunkturelle Wachstum in den meisten führenden Industrienationen sowie die intakte weltweite Industriezyklik sorgten für eine solide Ausgangslage der Weltwirtschaft. „Der Discount auf Aktien birgt aber nicht nur Gefahren, sondern auch Chancen“, sagt der Vermögensverwalter. Die Investoren vor allem aus den USA und Großbritannien hätten noch nicht verstanden, dass ein Scheitern der Währungsunion durch die Politik, die Notenbanken und auch die Gesellschaft nicht hingenommen werde. „Eine Eskalation kann ich mir nicht mehr vorstellen, zu hoch sind inzwischen die Brandmauern, die gebaut wurden und noch gebaut werden.“ Die Fakten lägen auf dem Tisch und sähen bei genauerem Hinsehen gar nicht so schlecht aus wie befürchtet.

Fazit für Anleger:

Die Weltkonjunktur ist stabil und sehr homogen, das Gros der Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks berichtet qualitativ sehr positive Quartals- und Bilanzzahlen. „Die Rentabilität und die Ertragslage bei den Unternehmen ist weiterhin sehr gut, noch wichtiger ist, dass die Unternehmen gemessen am Cashflow so günstig bewertet sind wie seit Jahren nicht mehr. Eine solche Chance auf der Aktienseite gibt es wenn überhaupt nur alle fünf, sechs Jahre“, kommentiert Zschaber. Hinzu komme die Liquidität seitens der Notenbanken als kurstreibender Faktor, auf die sich die Märkte bei Bedarf jederzeit verlassen könnten.

Nebenwerte bleiben weiterhin fester Bestandteil in der Musterallokation zum „Welt-Index“, da diese weiterhin als besonders attraktiv gelten. Gut zu sehen war das zuletzt an der Aktie von Rhön-Klinikum. Sie legte nach einem Übernahmeangebot durch den Medizin-Dienstleistungskonzern Fresenius um rund 50 Prozent zu und wird deshalb nun aus dem Portfolio verkauft. Gut gelaufen sind aber seit November auch die im Musterdepot befindlichen Leonie (plus 62,3 Prozent), Yum Brands (plus 44,8) und Pfizer (plus 26,5). Schwerpunkte bei den Unternehmen aus der zweiten Reihe bleiben Ströer, Symrise, Deutz, Leonie, Dürr, Jungheinrich, König & Bauer, Conti, Brenntag und Bertrandt. Neu aufgenommen werden Bijou Brigitte sowie als Schwergewichte die Deutsche Börse und die Deutsche Post.

Die Basis des Musterportfolios bilden weiterhin global operierende Unternehmen wie Pfizer, Colgate Palmolive, IBM, Chevron, Yum Brands, Exxon Mobil und 3M. Ebenso bleiben K + S, Hugo Boss, Fresenius Medical Care, EADS und Sanofi dem Musterportfolio erhalten. Die Quoten der Wandelanleihen sowie Rohstoffe allgemein, Industriemetalle und Edelmetalle werden reduziert. Unternehmensanleihen, Staatsanleihen Emerging Markets und Hochzinsanleihen bleiben unverändert. Neu aufgenommen wird das Segment der dänischen Staatsanleihen und wird mit vier Prozent gewichtet.