Eine Chance für Mutige
(Erschienen am 08.01.2012)
Der „Welt-Index“ deutet auf ein stabiles konjunkturelles Umfeld hin. Geht die Politik die
Krise endlich entschlossen an, dann könnte 2012 manchen Börsianer positiv überraschen
- Solide Bilanzen und attraktive
Bewertungen sollten vielen Aktien
Aufwärtspotenzial bieten
- Vor allem exportstarke Firmen
dürften von den guten Aussichten in
Asien und Südamerika profitieren
Es sieht wahrlich nicht gut aus für den
Euro. Spekulationen um Griechenland
haben die europäische Gemeinschaftswährung
in der vergangenen
Woche zum Teil unter die Marke von 1,28
US-Dollar rutschen lassen. Die Aktienmärkte
indes zeigen sich von den Kapriolen am Devisenmarkt
zunehmend nur noch bedingt beeindruckt,
der Dax etwa gab die zurückerkämpfte
6000er-Marke bis zum Wochenschluss nicht
mehr preis.
Ein Phänomen, das Dr. Markus C. Zschaber
in seiner Hoffnung bestätigt. Der Gründer
und Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung
ist von der Stabilität des globalen
Konjunkturgerüsts überzeugt, das
sich schon im Vorjahr als recht
robust erwiesen hat. Und auch
die Daten des „Welt-Index“,
den sein Unternehmen regelmäßig
exklusiv für diese Zeitung
erstellt, geben ihm recht:
Der Index der Konjunkturdaten
hält sich konstant auf einem
Niveau, das zwar kein überbordendes
Wachstum ankündigt, aber eben
auch keine Rezessionssignale liefert. Und
beim Index der Markterwartungen liegt die
Messlatte inzwischen so tief, dass Zschaber
Überraschungspotenzial für die Börsen ausmacht.
„Und das könnte viele Akteure über
kurz oder lang zurück an den Aktienmarkt
zwingen“, sagt der Vermögensverwalter, der
gleichwohl besorgt auf den Umgang der Politik
mit der Krise schaut.
Der „Welt-Index“ betrachtet die 50 wichtigsten
Konjunkturdaten, die weltweit von den Statistikämtern
und Forschungsinstituten veröffentlicht werden. Auf Basis dieser Informationen
werden zwei Trenddaten
ermittelt, einerseits der Index der
Konjunkturdaten, der ausweist, wie
viele der 50 Werte in den vergangenen
vier Wochen gestiegen oder gefallen
sind. Zum anderen wird der
Index der Markterwartungen ausgewertet.
Er gibt an, in wie vielen Fällen der
jüngste Wert der 50 statistischen Daten höher
oder niedriger lag, als von Experten zuvor im
Mittel erwartet.
„Wir haben starke Unterstützungen, die
uns vor wirtschaftlichen Rückschlägen oder
gar einer Rezession in 2012 schützen sollten –
immer vorausgesetzt, dass die Politik die Krise
endlich konsequent und geradlinig angeht“,
führt Zschaber aus. Potenzial billigt
er der wirtschaftlichen Lage in den USA zu.
Trotz horrender Verschuldung und Unklarheit,
welche Reformen künftig
auf der Tagesordnung stehen
werden, sorgt die lockere
Geldpolitik der Notenbank
dafür, dass Kapital aus aller
Welt in die USA fließt. „Und
dort, wo das Kapital ist, findet
sich auch das Wachstum“,
sagt Zschaber.
Rest-Europa liegt aus wirtschaftlicher
Sicht im Schatten Deutschlands.
Gerade die vergangenen vier Wochen
zeigten, dass Deutschland einmal mehr dank
seiner starken Industriezweige Maschinenbau,
Automobil, Chemie und Elektrotechnik
überproportional von den stabileren Konjunkturentwicklungen
partizipieren konnte. Damit
erschließt sich Deutschland auch in diesem
Jahr als Europas tragende Säule weiter globale
Absatzmärkte.
In Asien befinden sich die großen
drei Volkswirtschaften (Japan, China,
Indien) zwar weiterhin auf Konsolidierungskurs,
allerdings dürften
die jüngst stark gesunkenen Erzeugerund
Verbraucherpreise vor allem in
China Luft für geldpolitische Stimulationen
mit sich bringen. „Die asiatischen
Volkswirtschaften werden auch
in 2012 den höchsten Wachstumsbeitrag
aller Kontinente zur Weltwirtschaft
liefern“, sagt Zschaber. Nach
Meinung des Vermögensverwalters, wäre es
töricht, diese Märkte außer Acht zu lassen.
Fazit für Anleger: Die Nervosität und der
ausgeprägte Pessimismus der Marktteilnehmer
spiegeln auf der einen Seite die Unsicherheiten
wider, auf der anderen Seite bieten exakt
diese Entwicklungen Chancen für mutige
Investoren, die antizyklisch vorgehen wollen.
Vor allem weil die Bewertungen der Unternehmen
sehr vielversprechend seien, so Zschaber.
„Auch die Tatsache, dass Unternehmen zurzeit
eigentlich die besseren Gläubiger als Staaten
darstellen, untermauert die These vom antizyklischen
Vorgehen.“
Für Zschaber steht fest: Die soliden Unternehmensbilanzen
sowie die niedrigen Bewertungen
sollten die Aktienmärkte im Jahr 2012
unterstützen. Die Datenanalyse aus dem „Welt-
Index“ verdeutliche, dass der Welthandel weiterhin
expandiere und die globale Nachfrage
konstant bleibe. Dies sollte nach Meinung der
V.M.Z. vor allem Exportwerte in den Fokus
rücken lassen, die vom anhaltenden Wachstum
in Asien, Südamerika und Osteuropa profitieren.
Besonders hervorzuheben seien in
diesem Zusammenhang deutsche Qualitätsaktien.
Zschaber sagt: „Deutsche Unternehmen
sind im internationalen Vergleich besonders
wettbewerbsfähig und haben nach wie vor
eine starke Innovationskraft.“ Außerdem gelte
die Güternachfrage nach deutschen Exportwerten
als sehr stabil. Hinzu komme, dass der Arbeitsmarkt
in Deutschland als sehr robust gilt und die
Komsumnachfrage stützt. Darüber
hinaus böten die Bewertungen in Deutschland
ein sehr attraktives Niveau und eröffneten für
die kommenden Wochen und Monate interessante
Chancen. Aus diesem Grunde erhöht
Zschaber die aktuelle Aktienquote um acht
Prozent auf
55 Prozent, wobei in erster Linie
deutsche Qualitätswerte ergänzt werden.
Dazu zählt der Vermögensverwalter Symrise,
Dürr, BASF, MAN , Gerresheimer, Südzucker
oder Linde.
Die Basisinvestments wie Pfizer, IBM, Chevron,
Yum Brands, Exxon Mobil und 3M, die
allesamt international operierende Unternehmen
darstellen, sowie Leoni, Kali + Salz, Hugo
Boss, Fresenius Medical Care, BMW, EADS
und Sanofi bleiben dem Musterportfolio erhalten.
Zschaber: „Wir sind uns bewusst darüber,
dass dies in einem derart angespannten und von
Irrationalität geprägten Marktumfeld auch die
Portfolioschwankungen erhöht.“ Dennoch habe
die Historie bewiesen, dass antizyklisches Handeln
belohnt werde und es sich auszahle, qualitative
Merkmale bei den Positionierungen zu
berücksichtigen. Zufrieden ist Zschaber mit der
Entwicklung der Wandelanleihen, deren Quote
er zuletzt angehoben hatte. „Sie hat das Portfolio
mit einem defensiveren Engagement an der
jüngsten Aktienmarktentwicklung gut teilhaben
lassen“, sagt er. Durch die höhere Aktienquote
sinkt ihr Anteil auf
9,5 Prozent.